veröffentlicht in Afrika, Südafrika

Ein großer Traum geht in Erfüllung

Schade, fünf Tage Kapstadt und Umgebung sind schon wieder vorbei. Aber gleich zu Beginn der Gardenroute-Tour ruft schon mit dem Big White-Abenteuer das erste Highlight.

Los geht’s früh morgens entlang der Townships auf die Küstenstraße. Zwei Stunden später sind wir endlich da: in Gaansbai, bis vor wenigen Jahren noch ein verschlafenes Fischerdörfchen, heute Pilgerstätte für „Weiße-Hai-Adrenalinjunkies“. Der Hai-Tourismus boomt! Natürlich haben wir uns vorher informiert, ob wir den Haien mit unserem Besuch schaden könnten. Dadurch, dass die Haie bei Gaansbai nur auf der Durchreise sind, besteht keine Gefahr der Gewöhnung an den Menschen. Vielmehr sorgt der unterrichtshafte Charakter des Ausfluges für ein besseres Verständnis und damit hoffentlich auch zu einem besseren Schutz dieser wundervollen Tiere.

An unserer „Cage-Diving“ Schule angekommen, heißt es umziehen, gegen die Seekrankheit Pillen schlucken, Akupressur-Armbänder umbinden, beim Safety-Briefing gut zuhören. Mit einer internationalen Gruppe von rund 20 Mann und einer 4-köpfigen Crew besteigen wir unser Motorboot. Nervenkitzel!
Das sind also die Stahlkäfige, in die man später zu viert oder fünft steigt. …Mh, mit so vielen gleichzeitig? Hatte ich mir anders und größer vorgestellt… Abwarten! Mirko starrt während der 20 minütigen Bootsfahrt immer gen Horizont, bemüht nicht gleich zu Anfang seekrank zu werden. Ich hingegen quetsche mich auf dem schwankenden Boot in den Taucheranzug, setze die Schnorchelbrille auf und warte gespannt auf Ankunft an unserem Ankerplatz zwischen Festland und Dyer Island. Diese 1000m lange Insel ist das zu Hause von rund 40.000 Seehunden und somit Hauptgrund für das gehäufte Aufkommen weißer Haie drum herum.

Ich gehöre zur ersten Truppe, die in den Käfig hinabsteigt, während eines der Crewmitglieder blutgetränktes Köderwasser ins Meer schüttet und an Haken befestigte Thunfischköpfe hinein wirft. 24 Augenpaare sind gebannt Richtung Wasser gerichtet. Die ersten 20 Minuten vergehen. Für uns, die sich im 12 Grad kalten Wasser befinden, gefühlte 40 Minuten.
Die sharkys lassen auf sich warten. Zwei Jungs waren der Meinung gewesen, ein Neoprenanzug sei überflüssig. Schlotternd und mit blauen Lippen „hängen“ sie inzwischen neben mir. Plötzlich wird es unruhig. Unser Guide ruft „Shark, 10 feet away, coming closer…coming closer…, down down down!” Damit sind wir im Käfig gemeint. Abtauchen! Aber der Hai kommt nicht nah genug und aufgrund des trüben Wassers können wir auch die nächsten Haie kaum erkennen. Nach einer Stunde klettere ich vor Kälte zähneklappernd an Deck, und kaum hab ich ein Handtuch umgeworfen erscheint der nächste, recht angriffslustige Hai.

Von oben hat man eindeutig eine bessere Sicht auf die rund drei Meter langen Tiere. Mirko knipst Fotos was seine Kamera nur so hergibt. Der Hai prallt gegen die Gitterstäbe, er schüttelt wild den Kopf, überraschtes Raunen, Staunen und dazwischen ich, die vor Aufregung und Freude schier ausflippt. Weiße Haie sind lautlose Jäger. Man kriegt nichts von ihnen mit, schaut aufs regungslose Wasser. Das einzige was sie verrät, Sekunden bevor sie ihre Beute von unten hervorschießend und mit geballter Kraft packen, sind plötzlich in alle Richtung verschwindende Fischchen. Dann durchbricht mit voller Wucht ein tonnenschwerer Hai mit weit geöffnetem Maul die Wasseroberfläche und fällt spritzend zurück und ist verschwunden. Den eigentlich am Haken befestigten Thunfischkopf hat er erwischt – weg. Da war die geübte Crew beim Wegziehen des Köders nicht schnell genug. Stundenlang wiederholt sich das Bild von Blitzangriffen oder auch ruhig und neugierig heranschwimmender Haie, deren Körper mit teilweise tiefen Narben gekennzeichnet sind. Und jedes Mal ist es von neuem aufregend!

Kurz vor Abfahrt kommt sogar einer von ihnen zu uns an Bord. Ein Baby-Hai ist ins Netz gegangen, wird kurz von allen bestaunt, optisch inspiziert und dann wieder frei gelassen. Wenn er Glück hat, wird er auch einmal 3-4 Meter lang werden. Viel längere Tiere sieht man hier so gut wie nicht mehr. Die berühmten sechs Meter Exemplare gab es mal, gehören mittlerweile aber leider der Vergangenheit an.
Schlechte Sicht hin oder her – Weiße Haie aus nächster Entfernung beobachten und mehr über Ihr Verhalten lernen zu können, war ein unglaubliches und unvergessliches Erlebnis. Ein jahrelanger Traum war für mich in Erfüllung gegangen. Es war mit Sicherheit nicht das letzte Mal!

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