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Fes – eine faszinierende Stadt, in der man das Mittelalter noch erleben kann

Mein Freund Dierk und ich beschlossen im Herbst 2012 den Jahreswechsel in Marokko zu verbringen. Am 26.12.2012 starteten wir vom Flughafen Weeze am Niederrhein mit Ryanair in Richtung Fes, eine der vier historischen Königsstädte in Marokko. Schon im Landeanflug fielen uns zahlreiche grüne Felder und Olivenhaine auf. Am Boden Marokkos angekommen, holten wir unseren kleinen Mietwagen ab, der uns in den nächsten zehn Tagen begleiten sollte. Mit einigen Orientierungsproblemen und der netten Hilfe eines Einheimischen gelangten wir in die 15 Kilometer entfernte und ummauerte Altstadt von Fes, wo uns ein Laufjunge unseres Hotels erwartete und uns für die nächsten zwei Tage einen Parkplatz organisierte. Über seine Hilfe waren wir sehr dankbar, denn ohne ihn hätten wir weder einen Parkplatz in der scheinbar unorganisierten Menge, noch unser Hotel in den labyrinth – ähnlichen Gassen gefunden.

Mein erster Eindruck von Fes: Hektisch, laut, unorganisiert und alles in irdenen Tönen gehalten. Doch schnell wurden wir eines besseren Eindruckes belehrt. Hinter den schmucklosen, tristen beigen Mauern, die alle gewollt identisch aussahen, führte ein verwinkelter Gang zu unserer Unterkunft – dem Riad „Le Calife“. Wie eine ruhige Oase inmitten einer trubeligen Stadt lag das Riad, was gleichbedeutend mit Garten ist, in einem Innenhof. Von einem sehr sympathischen französischen Pärchen liebevoll geführt, fühlten wir uns vom ersten Moment an wie in 1001 Nacht. Im grünen Innenhof wuchsen Palmen, marokkanische Lampen zierten die Wände und Mosaiktische standen zum Verweilen bereit. Auch unser Zimmer, der „Topaz“-Raum war wie in einem orientalischen Märchen eingerichtet. Passend zum Namen war das ausreichend große und saubere Zimmer in Blautönen gehalten. Doch das Highlight des Riads war die stilvoll eingerichtete, große Dachterrasse, von der aus man über die Dächer Fes´ hinwegschauen konnte. Hier eröffnete sich uns zum ersten Mal die Weite, der in einer Senke liegenden Altstadt mit ihren beigen Flachdachbauten und ihren Moscheen. In diesem Meer von Häusern sollten wir uns am folgenden Tag hoffnungslos verlaufen.

Am nächsten Tag machten wir uns zunächst alleine auf den Weg in das Labyrinth der Gassen. Wir gingen durch den südlichen Zugang in die Medina (Altstadt), dem Bab Rcif. Kaum waren wir durch das riesige mosaikverzierte Tor, fanden wir uns inmitten zahlreicher bunter Marktstände und verwinkelten Gassen mit kleinen handwerklichen Läden wieder. Tiefer im Herzen der Medina wurde uns klar, dass jedes Handwerk sein eigenes Viertel hat, was den Fassis einen gezielten Einkauf wesentlich vereinfacht. Fasziniert von den zum Teil mittelalterlichen Zuständen in den Handwerksvierteln, achteten wir nicht mehr so genau auf die kleinen bunten Wegweiser an den Hauswänden und irrten planlos von Färbern zu Kupferschmieden und von Gerbern zu Schuhhändlern. Auf unserem Weg begegneten uns zahlreiche Maulesel und Esel, die Lasten durch die engen Gassen transportierten und Autos und Mofas vollständig ersetzten, was den Eindruck in einem vergangenen Zeitalter gelandet zu sein nochmals verstärkte.

Am Beeindruckendsten fanden wir die immer noch intakte Gerberei, in der Fassis mit nackten Füßen Stoffe und Tierhäute in Farbe tränkten und danach diese auf den umliegenden Flachdächern trockneten. Schließlich fanden wir nur den Weg zu unserem Riad zurück, indem wir einen simplen Trick befolgten. Da die Altstadt von Fes in einer Senke liegt, führen alle Wege in das Herz der Medina bergab. Wenn der Weg bergauf geht, nähert man sich einem der vier Zugänge zur Altstadt und somit unserem Ausgang, dem Bab Rcif. Die Altstadt von Fes hat uns beide wirklich sehr begeistert und wir waren mit Sicherheit nicht das letzte Mal hier.

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