veröffentlicht in Afrika, Marokko
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Ich schau dir in die Augen, Kleines!

Wir verließen Fes in Richtung Westen und fuhren über Meknes, einer weiteren historischen Königsstadt, nach Casablanca. Auf dem Weg dorthin konnten wir unendlich viele Vogelschwärme beobachten, die in Richtung Norden dem Frühling in Europa entgegenflogen. Wir merkten sofort, dass wir nun in einer Millionenstadt waren, denn der Verkehr war chaotisch und hektisch. Es bedurfte defensiver Fahrkünste und einiger Ausweichmanöver, um nicht in einen Unfall zu geraten. Am Zentrum der Großstadt vorbei, fuhren wir weiter westlich bis zum elitären Viertel Corniche, in dem unser eher konventionelles Hotel „Club Val d´Anfa“ lag. Der Vorteil dieses Hotels war die Lage zum Zentrum, das nur 4 km entfernt war und zur Marokko Mall, eine der größten Shopping-Malls in Afrika, die nur 2 km entfernt lag.

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Auf unserer ersten Erkundungstour zog es uns zur Medina der Stadt, in der Hoffnung, eine ebenso faszinierende Altstadt wie in Fes vorzufinden. Doch leider wurden wir enttäuscht, denn diese Medina wirkte unorganisierter, schmutziger und versprühte weitaus weniger Charme, als die Altstadt von Fes. Wir verließen die ummauerte Medina in Richtung Moschee Hassan II., die drittgrößte Moschee der Welt. Dieses beeindruckende Gebäude mit dem 210 Meter hohen Minarett und den im Sonnenlicht leuchtenden türkis-grünen Mosaiken kann auch von Nicht-Muslimen besichtigt werden. Leider war sie an unserem Besuchstag geschlossen. Somit zog es uns wieder zurück in die Innenstadt auf der Suche nach dem legendären „Rick´s Cafe“, das man aus dem Filmklassiker „Casablanca“ kennt. Wir fanden das im Courtyard – Stil erbaute Gebäude ganz in der Nähe der Medina. Innen umhüllte uns eine elegante Atmosphäre der 40er Jahre mit weißen Wänden, vielen Rundbögen und Säulen, Palmen, weißen Tüchern, einer klassischen Bar und einem Piano, auf dem alte Soul- und Jazzklassiker gespielt wurden. In der ersten Etage fanden wir neben zahlreichen beleuchteten Nischen und Balkonen ein Kaminzimmer mit wuchtigen Ledersesseln, in denen Zigarre rauchende Männer saßen und den Filmklassiker anschauten. Das Essen war zwar sehr lecker, wir bezahlten allerdings auch für die Atmosphäre und den Namen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Taxi zur südlich gelegeneren Marokko Mall, um ausgiebig zu shoppen. In der Mall, die den Standards westlicher Malls in nichts nachsteht, fanden wir alle bekannten Modemarken und manche unbekannte Lables, die uns neugierig in die Läden schlendern ließ. Zudem überraschte uns im Erdgeschoss ein riesiges, rundes Salzwasseraquarium mit vielen bunten Fischen und sogar kleinen Haien. Das Besondere war, dass man mit einem Aufzug in die Mitte des Aquariums fahren und die Wasserwelt 360º genießen konnte. Stunden später, total erschöpft und einige marokkanische Dirhams leichter, liefen wir entlang der Strandpromenade zurück zu unserem Hotel. Casablanca fesselte uns nicht so sehr wie Fes, was vielleicht daran lag, dass es in der Millionenstadt, wie in jeder Großstadt, laut und recht dreckig war und sie wenig Traditionelles zu bieten hatte. Der westliche Wandel hat Casablanca ergriffen und nimmt der Stadt leider jeglichen Charme.

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