veröffentlicht in Australien, Ozeanien
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Today must be my lucky day!

Entdecke ich heute in Blumenläden oder Hotelfoyers langstielige grün-rot-gelbe tropische Blumen in riesigen Vasen, Haliconias oder „Falsche Paradiesvogelblumen“ genannt, dann fühle ich mich direkt an jenen Tag auf der Blumenfarm zurück versetzt, an dem so ziemlich alles schief gelaufen ist, was schief laufen konnte.

Am Morgen klingelte mich der Wecker um 6 Uhr aus dem Bett, um kurz vor sieben stand ich mit anderen (Gast-)Arbeitern auf dem Blumenfeld – und ohne auch nur einen Finger gerührt zu haben, schwitze ich aus allen Poren. Der Norden Australiens ist für seine hohe Luftfeuchtigkeit berühmt, die sengende Hitze macht einem schon in den frühen Morgenstunden zu schaffen. Mit einem extrem scharfen Messer „bewaffnet“ bahnte ich mir den Weg ins Dickicht und schnitt stundenlang die langen, sehr dicken und harten Stiele kurz oberhalb der Wurzel ab. 30, 50 oder vielleicht auch 70 Stiele hatte ich schon fein säuberlich auf einander gestapelt, da fiel ich beim Rückwärtsgehen über einen Termitenhügel.

Ich sag ja: Dickicht! Beim ständigen Aufpassen, dass ich beim Arbeiten nicht versehentlich in eine dicke Spinne fasste, hatte ich meinen Unter- bzw. Hintergrund nicht im Blickfeld. Verflucht, so schnell wie diese aggressiv gewordenen Termiten auf den Zerstörer ihres Baus zuliefen!!, zusprangen!! und zuflogen!!, so schnell konnte ich mich gar nicht wieder aufrappeln! EIN Termitenbiss ist sehr unangenehm – und ich hatte Dutzende. Leute, legt euch nie mit einer Horde Termiten an. Das tut schweineweh!!! Eiswürfel und eine Salbe gegen Insektenstiche sollte ein wenig helfen. Ich war bedient für den Tag, aber schlapp machen war nicht.

Kaum eine Stunde später, stockte mir für wenige Sekunden der Atem. Hey, ich leide nicht an einer Spinnenphobie, aber bei DEM Anblick hätte selbst Bud Spencer kurz geschluckt. Beim Umdrehen eines großen Blattes – ähnlich wie das einer Bananenstaude – blickte ich in die Augen einer immens großen, hellgefärbten Spinne! Fragt nicht nach dem Namen – weiß es nicht mehr – aber es war die größte, die ich jemals gesehen hatte. Meine Hand daneben gehalten, war die Spinne ungefähr doppelt so groß. Mit ordentlicher Gänsehaut und Ekels-Grimasse suchte ich das Weite – sollte doch lieber einer der Busch-erfahrenen Arbeiter dieses Feld übernehmen!

Das ekeligste kommt aber noch: um an einige Blumenfelder zu gelangen, muss man erst mal unter einem Schutznetz zur Vogelabwehr herkriechen. Ich packte die Enden des Netzes, die auf dem Boden lagen – dachte noch: was stinkt hier so bestialisch?!?! – und raffte es dann, als ich durch die Maschen des Stoffes hinweg etwas Langes, Dunkles, Bewegungsloses erblickte. Vom Umfang wie eine dicke Schinkenwurst . Im gleichen Augenblick, in dem mir klar war, dass ich eine Schlange in den Händen hielt, schmiss ich alles fern von mir zu Boden und mein Körper landete mehrere Meter vom Fundort auf den Rasen. Ich hätte schreien können vor Ekel – dieser Gestank lag mir noch in der Nase – aber der Schrei blieb mir in der Kehle stecken. Was zum Teufel war das für eine Schlange gewesen? Jemand hatte die Szene verfolgt, kam auf mich zu und sagte mir, nachdem er sich den Kadaver angesehen hatte: „Must be your lucky day, mate. Could’ve harmed you badly.“ Ich mit weit aufgerissenen Augen: „Mhm, what kind of snake is it.“ – “Death Adder” (Todesotter). Ich, Augenbrauen runzelnd: “Yep, today must be my lucky day”!

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