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Silvester in Marrakesch

Einen Tag vor Silvester machten wir uns über die A7 in südliche Richtung auf den Weg nach Marrakesch. Wir waren aufgeregt, was uns in der bekannten Stadt erwarten würde, zudem planten wir dort Silvester zu feiern. Doch zunächst genossen wir die 2 stündige Autofahrt durch wüstenähnliche Landschaft, grüne Hügel und entlang kleiner Dörfer. Die Fahrt nach Marrakesch hinein war recht unproblematisch, denn alles war gut ausgeschildert. Erst als wir wieder vor den Toren der Medina standen, waren wir sehr froh, dass uns abermals ein Laufjunge mit unserem Wagen half und uns den Weg zu unserer Unterkunft zeigte.

Das „Riad Chi Chi“ lag noch versteckter, als das „Riad Le Calife“ in Fes. Wir markierten die Stelle sofort im Stadtplan und hofften, dass wir auch alleine zurückfinden würden. Das Riad war überwiegend in weiß und hellem grau gehalten und strahlte eine romantisch – moderne, stilvolle Atmosphäre aus. Unser Zimmer war schlicht in weiß eingerichtet mit Blick in den schönen Innenhof des Riads. Von der Dachterrasse konnte man über die Dächer Marrakeschs blicken und sich auf gemütlichen Liegen ausruhen.

Doch uns zog es in die Medina. Unseren ersten Eindruck bescherten uns unsere Nasen. Es stank nach Abgasen, denn in der Altstadt von Marrakesch ist es üblich, mit Mofas und Rollern durch die engen Gassen zu fahren und die Waren zu transportieren. Esel und Mulis schienen hier aus der Mode gekommen zu sein. Zudem fiel uns auf, dass die Ladenbesitzer und Verkäufer hier sehr viel aufdringlicher waren als die Fassis. Alles richtete sich auf den Tourismus aus. Doch es gab auch schöne Plätze zum Verweilen, wie dem Platz „Ragba Kedima“, auf denen die Händler ihre Waren ausstellten. Wir schlenderten an Gewürzen, Korbwaren, Pflegeprodukten, Mützen, frischen und getrockneten Früchten und sogar an kleinen Tieren, wie Schildkröten und Chamäleons vorbei. Eines durfte ich mir auf meinen Finger setzen, wo es in Zeitlupe hin und her wippte.

Dann stand die Abendplanung zur Debatte, denn es war nicht einfach und sehr teuer an Silvester einen Tisch zu reservieren. Ein Silvester – Menu kostete schnell mal 250,- Euro und aufwärts. Das war uns entschieden zu teuer und wir beschlossen auf dem bekanntesten Platz Marrakeschs zu essen und ins neue Jahr zu feiern. Dem „Jemaa el Fna“ mit seinen Garküchen – Restaurants, Gauklern, fliegenden Händlern und Schlangenbeschwörern. Um 22 Uhr machten wir uns auf den Weg durch die engen Gassen hin zum Jemaa el Fna. Schnell fanden wir eine freie Bank bei einem der Garküchen auf dem Platz. Im „Chez Aicha“ probierten wir zum ersten Mal das Nationalgericht „Tajine“, bei dem verschiedene Zutaten in einem geschlossenen Tontopf über einem Ofen oder über Feuer gegart werden. Ich wählte die vegetarische Variante mit Couscous, Möhren, Kartoffeln, Kichererbsen und Lauch. Dierk entschied sich für die männlichere Variante und bekam 6 Fleischspieße und dazu in der Tajine gegarte Auberginen, Grünkohl, Champignons und Möhren. Es war lecker! Zum Abschluss bekamen wir noch frischen Minztee mit gefühlten 200g Zucker pro Glas.

Der Platz war schon recht gut besucht, sowohl von Einheimischen, als auch von Touristen. Und so suchten wir uns einen geeigneten Platz für den Countdown. Für die Silvesterfeier hatte ich Wunderkerzen mitgenommen. Kaum hatte ich sie zum „Frohen Neuen Jahr“ entzündet, wurden sie mir von einheimischen Jugendlichen begeistert aus der Hand gerissen. Ein Feuerwerk gab es nicht und auch die Feier auf dem Platz war recht schnell zu Ende. Um 0:30 waren wir wieder im Riad und tranken dort noch einen Neujahrs – Sekt.

Am Neujahrsmorgen packten wir unsere Sachen und verließen Marrakesch weiter Richtung Süden. Marrakesch war meiner Meinung nach mehr Schein als Sein. Es gab zu viele aufdringliche Verkäufer und zu viele stinkende Mofas in den engen Gassen der Medina. Nur das stilvolle Riad, das leckere Essen und die kleinen authentischen Plätze rücken die dreckige und immer mehr touristisch orientierte Altstadt in ein gutes Licht.

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